Hans J. Geppert

…. Der Weltpardontag geht zurück auf den US-Präsidenten Gerald Ford , der am 8. September 1974 den wegen der Watergateaffäre zurückgetretenen und rechtskräftig verurteilten Präsidenten Nixon begnadigt hatte. Gnade vor Recht, das sollte in den USA die Möglichkeit bieten, die schon damals jenseits des großen Teiches verfeindeten Demokraten und Republikaner zu versöhnen, die sich, wenn auch aus anderen Gründen als heute und lange nicht zu so verbissen, aber doch nahezu unversöhnlich gegenüberstanden. So wollte Ford im Lande wieder inneren Frieden herstellen. E ließ Gnade vor Recht ergehen.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob die Weltgeschichte ohne den Weltpardontag anders verlaufen wäre. Wahrscheinlich nicht. Denn den hat nicht erst heute, sondern bereits vor 37 Jahren kaum jemand zur Kenntnis genommen.

Darüber nachzudenken, ob Vergebung ein neues Miteinander ermöglicht, lohnt trotzdem.

Schließlich gibt es Fehler, die passieren einfach. Andere Gemeinheiten sind geplant und verletzen deshalb umso mehr. Sie müssen gar nicht so folgenreich sein wie das Verbrechen Nixons. Auch im kleinen Persönlichen können sie größtes Unheil anrichten. Für beide gilt, soll ein freies und frohes Miteinander weiterhin möglich sein, um Verzeihung zu bitten und zu verzeihen.

Gnade vor Recht ist manchmal die einzige, immer aber die beste Möglichkeit, miteinander ins Reine zu kommen, um unbeschwert leben zu können..

Ich habe diese Erfahrung bereits als Kind gemacht. Meine Eltern hatten die Verabredung: Wir schlafen nicht ein, ohne uns versöhnt zu haben. In diesen vielleicht sogar unausgesprochenen Pakt wurden meine Schwester und ich ohne große Worte mit einbezogen. Zum Gute-Nacht-Sagen gehörte nach jedem Streit immer die gegenseitige Zusage, einander wieder gut zu sein. Mal mußte ich verzeihen, mal wurde mir verziehen. Auf jeden Fall schlief ich versöhnt ein. Noch heute habe ich keine Schlafstörungen. Und heute weiß ich, daß einer der Gründe für meine unbeschwerte Kindheit und Jugend in unserem Pardon-Ritual liegt.

Von Jesus gibt es den Satz, daß derjenige, der ohne Sünde ist, den ersten Stein werfen solle, Pointe einer Geschichte, in der die Rechthaber sich beschämt vom Acker machen. Die einem anderen Menschen trotz dessen Verfehlung dadurch ein neues Leben ermöglichen.

 

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Hans J. Geppert