Karl-Ernst Wahlmann

...Neben uns war ein Stand der politischen Partei AfD. Immer wieder kamen Besucher voller Aufregung und Empörung von diesem Stand und waren nicht in der Lage, uns zuzuhören. Sie hetzten manchmal förmlich an uns vorbei, einige Male nahmen sie gar nicht wahr, dass wir ein anderes Anliegen hatten.

Ich habe mich zweimal auf ein Gespräch mit den Vertretern der AfD eingelassen. Einmal ganz zu Anfang, als wir unsere Informationsstände aufbauten und dann noch einmal, als meine Tochter den blauen Luftballon für ihre Tochter ablehnte. Daraufhin wurde sie in ein Gespräch verwickelt.

In beiden Begegnungen war es ganz schwierig einen fortlaufenden Gesprächsfaden beizubehalten. Immer wieder wurde ich durch Fragen und Behauptungen unterbrochen: „Wo haben sie das denn her? „Das müssen sie erst einmal belegen!“ „Das ist falsch!“ „Wollen Sie so leben?“ Oder ein Horrorszenario durch eine Antifa-Gruppe wurde geschildert, dann der Polizei vorgeworfen, dieses einfach hinzunehmen und mit der Suggestivfrage abgeschlossen: „Finden Sie das richtig?“

So entfernten wir uns als Gesprächspartner immer mehr voneinander und auch meine Behauptungen wurden immer plakativer und klischeehafter. Ein sachliches Gespräch, in dem jeder versuchte den andern zu verstehen, war nicht mehr möglich. Ich habe es dann jeweils mit dem Hinweis beendet, dass sie mich auf diese Weise nicht überzeugen könnten und ich Angst hätte, dass sich die rechtsradikalen Kräfte in der Partei durchsetzten.

Nachmittags zu Hause habe ich mich geärgert, dass es mir nicht gelungen war, das Gespräch auszuhalten. Wir haben in der Demokratie nur das Gespräch.

Die Diskussion, der Diskurs ist die einzige Möglichkeit, um einen gemeinsamen Willen zu bilden. Falls das nicht mehr gelingt, entfernen wir uns voneinander, die Gesellschaft polarisiert sich, wir werden uns in den einzelnen Bevölkerungsgruppen immer fremder.

Das Fremde/der Fremde macht uns Angst. Es/er wird abgelehnt, wird verteufelt, wird zum Schuldigen.

Gerade als Christen haben wir die Aufgabe, immer wieder aufeinander zuzugehen und das Gespräch zu suchen, auch mit unbequemen Gesprächspartnern. Natürlich müssen wir auch vorbereitet sein, um uns sachlich auseinandersetzen zu können. Das ist anstrengend und fordert Zeit und Energie. Aber wir sollten diese Mühsal auf uns nehmen.

Für unsere Kinder, für unser Land, für unsere Zukunft.

 

Mit vielerlei guten Wünschen

Ihr Karl-Ernst Wahlmann, Pastor i.R.

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