Hans J. Geppert

... Das, denke ich, ist nicht nur angesichts von Covid 19 so, sondern überhaupt im Leben. Im Alltagswahnsinn mache ich oft meine Türen zu: nichts mehr hören, nichts mehr sagen, nichts mehr sehen. Mir tut es dann gut, den Kontakt zu meiner Umwelt und zu meinen Mitmenschen zumindest für eine Zeit abzubrechen. Wenn es mir besser geht, mache ich meine verbalen und emotionalen Türen wieder auf und freue mich über Gespräche und Begegnungen, Erlebnisse und Erfahrungen.

Ich kenne Menschen, die schließen sich so fest ein, daß sie ihre Tür kaum noch aufbekommen. Sie haben ihre Tür aus Angst zugemacht und sich so fest eingeschlossen, daß man außer mit oberflächlichem Geplauder nicht an sie rankommt. Geschweige in ihr Herz vordringt.

Mir ist eingefallen, daß sogar Jesu Anhänger angesichts einer lebensbedrohlichen Situation ihre Türen fest verrammelt hatten. Ihr Meister war als Volksverräter hingerichtet worden, und sein Schicksal drohte nun auch ihnen. Aus lauter Angst hatten sie sich in einem Haus verbarrikadiert. Jesus schaffte es trotzdem, zu ihnen zu kommen- ohne zu klopfen oder gar zu hämmern oder die Tür einzutreten. Er ist plötzlich einfach da und sagt: „Friede sei mit euch.“ Angst ist für Jesus kein Hindernis, Perspektivlosigkeit hält ihn nicht davon ab, für einen friedlichen Umgang miteinander zu sorgen.

Ich werde natürlich weiterhin meine äußeren Türen geschlossen und beim Einkauf Abstand halten und einen Mundschutz tragen, bis Corona mittels Impfung in Schach gehalten werden kann. Aber ich habe deswegen keine Angst vor der Zukunft. Weil ich glaube, daß Gott auch hinter geschlossenen Türen sein kann.

Mein Freund Friedel – ich besuche ihn jetzt mehrmals in der Woche – liegt im Sterben. Krebs im absoluten Endstadium. Gestern hat er gesagt, ich solle keine Angst um ihn haben. Die Tür des Himmels stände für ihn schon weit offen.

Ich freue mich auch über eine E-Mail von Ihnen, klicken Sie einfach auf meinen Namen: 

Hans J. Geppert