Karl-Ernst Wahlmann

 

...Wir waren zu Beginn der Pandemie bei den Einschränkungen alle gleich betroffen und haben eine große Solidarität gezeigt, die sollten wir beibehalten und beim Ausklingen der Pandemie alle gemeinsam einen neuen Start wagen. Wir sollten noch alle für zwei bis drei Monate auf verschiedene Grundrechte verzichten.

Unabhängig von meiner Aufforderung könnte man die Verhaltensregeln für Alten- und Pflegeheime so festlegen, dass die zu Pflegenden wieder Nähe und Freude spüren können.
Auf was haben wir nicht alles verzichtet?!
Und jetzt, wo sich langsam Hoffnung auf Besserung einstellt, wollen wir das Gewonnene leichtfertig aufs Spiel setzen, weil einige auf „ihren“ Grundrechten bestehen?

In den Kirchengemeinden haben wir auf fast alle Gruppen-Veranstaltungen verzichtet.

Die Weihnachtsgottesdienste 2020 fielen aus, Ostern fand zweimal nicht statt.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die Angst hatten, ihren Glauben zu verlieren.
Das Singen, das gemeinsame Gebet, das Nebeneinander im Gottesdienst, die Gemeinsamkeit beim Abendmahl, den Trost in der Trauerfeier, all das findet nicht statt. Da fehlt etwas im Glauben.

Was macht unseren christlichen Glauben denn aus?
Für mich sind es drei Elemente, die den Glauben bestimmen:

1. Element: In der Bibel lesen, in der Stille beten, mich besinnen und meditieren. Das kann ich allein zu Hause (das meditativ-spirituelle Element des Glaubens).

2. Element: Demgegenüber steht mein gesellschaftliches Engagement, das zu meinem Glauben dazugehört: Den Hungrigen speisen, den Traurigen trösten, mit dem sich Freuenden lachen (das Welt zugewandte Element).

Das Eintreten für den/die Anderen ist schon schwierig im Augenblick. Position zu beziehen für Mensch, Tier, Klima wird immer wieder erschwert.

3. Element: Die beiden Ausdrucksweisen meines Glaubens werden verbunden durch das Erleben und das Feiern der Gemeinsamkeit (das liturgisch-kultische Element). Und das fehlt im Augenblick gänzlich.

Ich habe die inständige Bitte, auf Rechte zu verzichten, die nur meinen eigenen Lebensraum wieder erweitern. Wartet doch ab, bis wir dieses wieder allen anbieten können, Alten und Jungen, den Geimpften und denen, die dann noch nicht geimpft sind und denen, die sich nicht impfen lassen wollen.

Und dann lasst uns feiern.
Dann lasst uns zusammenkommen im gemeinsamen Gottesdienst, um Gott und uns zu feiern.

Seien Sie Gott befohlen und im Glauben verbunden!

 

Ihr Karl-Ernst Wahlmann, Pastor i.R.

 

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