Gastfreundschaft als diakonisches Profil

Wir sind dabei, ein diakonisches Profil zu erarbeiten, um Seelsorge und Diakonie als Ausdruck christlichen Glaubens im Dienst am Menschen wahrzunehmen:


2017 Fortführung des Kenia Projekts

Samburu Girls Foundation (SGF)

Dr. Josephine Kuleas Stiftung „Samburu Girls Foundation“ (SGF) hat sich zum Ziel gesetzt, der genitalen Verstümmelung von Mädchen und der Kinderhochzeit den Kampf anzusagen. Obwohl beides in Kenia gesetzlich verboten ist, wird es in abgelegenen Dörfern praktiziert.Josephine Kulea ist selbst in einem Dorf im Norden Kenias aufgewachsen. Dort hält und hielt man nicht viel von der Schulbildung der Mädchen. Glücklicherweise hat sich ihre Mutter durchgesetzt, so dass Josephine eine Missionsschule besuchen konnte.Auch von der Kirche erhielen Mutter und Kind Unterstützung.

Auch bei diesem Projekt erhalten wir wieder die freundliche Unterstützung von Herrn Uwe Götzel, der mit seinen Besuchen vor Ort eine direkte Kommunikation ermöglicht und den 'verlustfreien' Einsatz Ihrer Spenden erst ermöglicht. Insofern auch an dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Dank an Herrn Götzel !

 

Fotos: Herr Götzel

Corrinne erzählt ihre Geschichte:

Ich heiße Corrinne. Ich bin 14 jahre alt. Meine ältere Schwester hat den Spitznamen Nana. Sie hat mich immer beschützt. Nach der Schule mussten wir Wasser aus dem Fluss holen. Der Fluss war weit weg von zu Hause. Oft kamen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit zurück. Ich hatte immer Angst im Dunkeln. Nana aber sagte: „Corrinne, ich werde dich beschützen. Wenn ich bei dir bin, brauchst du keine Angst zu haben.“ (Ich ahnte, dass sie genauso viel Angst hatte wie ich – aber ihre Anwesenheit machte mich zuversichtlich. Als ich 11 und sie 12 Jahre war alt war sollte sie an einen 55 Jahre alten Mann verheiratet werden. Alles war vorbereitet, das Brautgeld (eine Kuh) bezahlt. Es ist bei uns Samburu „Brauch“, dass die Mädchen vor der Hochzeit „genital verstümmelt“ werden. Und Nana war keine Ausnahme. An dem verhängnisvollen Tag wurden wir früh um 6 Uhr geweckt. Meine Schwester und fünf weitere Mädchen wurden ausgezogen und mit eiskaltem Wasser übergossen. Alle weiblichen Dorfbewohner schauten zu. Die ausgewählten Mädchen mussten sich hinsetzen und die Beine spreizen. Entsetzt musste ich mitansehen wie meine Schwester verstümmelt wurde. Ich konnte fühlen, dass sie vor Schmerz schreien wollte – aber sie biss die Zähne zusammen und gab keinen Laut von sich. Schreien hätte Schande über das Haus meiner Eltern gebracht. Schreien ist tabu. Am nächsten Tag sollte Nana den von meinem Vater ausgesuchten Mann heiraten. Aber es kam anders. Die Verletzung hörte nicht auf zu bluten. Die „Beschneiderin“ goss kalte Milch auf die Wunde. Nach ihrer Reaktion zu urteilen, lief es nicht wie geplant. Sie schmierte zusätzlich ein besonderes Öl auf die Wunde, in der Hoffnung, die Blutung zu stoppen – vergeblich. Als Nana versuchte aufzustehen, schoss eine Menge Blut aus ihrem Schoß. Fassungslos musste ich mit ansehen wie meine Schwester starb. Das war der schlimmste Tag in meinem Leben. Ich konnte nicht verstehen, dass Nana tot war, meine Schwester, die so wichtig für mich war. Am nächsten Tag, der Tag an dem Nana heiraten sollte, kam der Ehemann „in spe“ zu uns nach Hause. Er verlangte „seine“ Frau oder die Rückgabe des Brautpreises. Mein Vater sagte, ich solle anstelle von Nana die Ehefrau werden und zwar am nächsten Tag. Wie meine Schwester sollte ich vor der Hochzeit verstümmelt werden. Ich konnte nicht glauben, dass ich das gleiche Martyrium erleiden sollte wie meine Schwester:- die inneren Schreie, ihr langsames Sterben. Noch am gleichen Tag, abends, verlangte eine großgewachsene Frau meinen Vater zu sprechen. Die Frau hieß Josephine Kulea. Ich weiß nicht genau was passierte, aber ich erinnere mich, dass er sagte, nein, nein, keine Schule, sie geht nicht zur Schule… Ich war völlig am Boden zerstört, das zu hören. Glücklicherweise nahm Josephine mich bei der Hand, führte mich aus dem Dorf zu einem Auto und wir fuhren davon. Sie rettete mich vor Verstümmelung und Kinderhochzeit. Ich wurde aufgefangen vom SGF und gehe weiter zur Schule. Ich wünsche keinem Mädchen, was meine Schwester durchmachen musste. Bedanken möchte ich mich beim SGF und den Unterstützern.

Ich bin so dankbar.


Unser Projekt "Babyblessing Home" in Kenia wurde 2016 erfolgreich abgeschlossen. Das Kinderheim hat sich gut entwickelt und steht zwischenzeitlich solide "auf eigenen Füßen".

Babyblessing Home

..Beim Rundgang durch den Raum mit etwa 6jährigen, riefen zwei Kinder: mzungu, mzungu... Das Heim hat inzwischen fast 60 Kinder. Letztes Jahr waren es nur halb soviele. Da es nicht genug Betten gibt, müssen 2-3 Kinder in einem Bett schlafen.
Beeindruckend die Veränderungen: 5 Projekte hat Irene initiiert. Das Einträglichste ist das Strickprojekt. Sie hat 4 mechanische Strickmaschinen aus örtlicher Produktion gekauft (Foto). Damit werden z.B. Schuluniformen im Auftrag anderer Schulen genäht/gestrickt. Sie kann sich vor Aufträgen kaum retten und möchte mehr Kapital zum Kauf weiterer Maschinen. Sie hat 5 junge Näherinnen an einer polytechnischen Schule ausbilden lassen und eingestellt, also neue Arbeitsplätze geschaffen auch für einen Sozialarbeiter. Während der sich um die Unterstützergruppe kümmerte, erläuterte Irene mir ausführlich das vielversprechende Nähprojekt. Da kommt die Spende von St. Johannis gerade recht, die ausreicht zum Kauf einer weiteren Strickmaschine. ... Es ja gerade das beste Beispiel von Hilfe zur Selbsthilfe (selfgenerating income).