...Für dermeist junge Menschen liegt das Glück in der vermeintlich großen Liebe, für etwas ältere dann eher schon in einem Beruf, der befriedigt, und es soll sogar Menschen geben, die viel Geld für Glück halten. Für den Dichter Theodor Fontane war Glück "eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen." Je älter ich werde, umso mehr muss ich Fontane Recht geben. Dass ich Brot habe, ein Dach über dem Kopf, sauberes Wasser, Zeit zum Lesen und Spielen, dass ich nicht frieren muss und der Rücken nicht weh tut, das ist schon ein Glück. In den kleinen Dingen das kleine Glück zu erkennen, macht glücklicher als einem großen Glück nachzujagen, das ich eh nie erreiche. Und: Nicht erst das Unglück soll mich lehren, was Glück ist.
Das größte Glück freilich ist und bleibt die Liebe. Zu ihm verhelfen keine Hufeisen und Kleeblätter oder andere vermeintliche Glücksbringer. Diesem Glück kann ich kaum auf die Beine helfen. Es kommt von selbst. Liebe kann ich nicht herstellen, wie andere Dinge übrigens auch nicht, die meinem Leben Tiefe und Würde geben. Freundschaft zum Beispiel oder Vergebung. Liebe bekomme ich, wenn ich sie denn bekomme, gratis. "Gratis" kommt aus dem Lateinischen und heißt Gnade. Liebe findet uns - umsonst.
Unsere Altvorderen wussten das, wenn sie in der Liebe ein Aufblitzen Gottes in unserer Wirklichkeit sahen. Zu unserem Glück.