Karl-Ernst Wahlmann

... Wir Christen im deutschsprachigen Raum beten in der letzten Bitte dieses Gebets: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Diese Formulierung wird als ökumenische Fassung seit Ende der 70er Jahre in allen deutschsprachigen Kirchen benutzt.

Die katholischen Bischöfe in der französischsprachigen Schweiz haben eine neue Übersetzung der letzten Vaterunserbitte in die Liturgie eingeführt.

Grund ist die Missverständlichkeit dieser Bitte. Mit dieser Formulierung – „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ - unterstelle man Gott, dass er mir Böses tun könnte, indem er mich in Versuchung führt. Das passt nicht zu einem Gott, den man als liebenden Gott verehrt und als Vater anredet.

In der französischsprachigen Schweiz wird jetzt statt: „et ne nous soumets pas à la tentation“ (und unterwirf uns nicht der Versuchung) „et ne nous laisse pas entrer en tentation“ (und lass uns nicht in Versuchung geraten) gebetet.

War das wirklich nötig? Ich glaube, ja.

Es muss für heutige Menschen möglich werden, das erste Gebet der Christen so zu beten, dass sich ihnen die ursprüngliche Botschaft erschließt. Christen müssen weder die Rechtfertigungslehre von Paulus kennen noch ein komplexes Gottesbild verinnerlicht haben, um das Vaterunser beten zu können. Dazu genügt das innere Vertrauen auf Gott als liebenden Vater aller Menschen, so wie ihn Jesus verkündet hat.

Macht uns den Glauben an Gott nicht unnötig schwer.

Ein herzliches Dankeschön an die Bischöfe in der Schweiz.

Hoffentlich werden sie zum Vorbild unserer deutschen kirchlichen Gremien.

 

Ihr Karl-Ernst Wahlmann, Pastor i.R.

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