Karl-Ernst Wahlmann

...Ich würde diesen Begriff noch weiter fassen. Für mich sind Wutbürger Menschen, die sich hinter Empörung und Parolen verschanzen, sich selten auf Argumente einlassen und häufig dem persönlichen Gespräch aus dem Weg gehen. Wutbürger haben ihre Meinung bzw. ihren Standpunkt, stellen diese/n nicht in Frage und wollen Recht behalten.


Der Nachbar, der per Gerichtsbeschluss erzwingt, dass das Gartenhaus nebenan abgerissen werden muss, weil es zu nah an der Grenze steht, ohne mit seinem Nachbarn vorher darüber zu reden, der ist für mich ein Wutbürger.

Die Mutter, die sich gleich an die Schulbehörde wendet, weil ein Unterrichtstag ausfällt, ohne vorher mit der Schulleitung zu sprechen, ist für mich eine Wutbürgerin.

Die ältere Dame, die sich vom Lärm eines Kindergartens gestört fühlt und gerichtlich dagegen vorgeht, ist für mich eine Wutbürgerin.


Ich erlebe es immer häufiger, dass wir nicht mehr miteinander reden.

Wir scheuen die Begegnung, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Wir ziehen uns zurück auf Rechtspositionen.

Wir versuchen unseren Standpunkt durchzudrücken, ohne den anderen wahrzunehmen.

Wahrnehmen, zuhören und dann vielleicht zu verstehen, kommt uns gar nicht mehr in den Sinn. Ja, das ist jetzt sehr allgemein geschrieben und in dieser Allgemeinheit auch nicht richtig, aber eine Tendenz in diese Richtung ist zu spüren.

 

Gerade als Christen dürfen wir der Begegnung mit anderen Menschen nicht aus dem Weg gehen. Es ist unsere Aufgabe für andere da zu sein, d.h. jeden Menschen in seiner konkreten Lebenssituation wahrzunehmen und dann zu entscheiden, ob wir ihm beistehen können.

Den Wutbürgern gehen wir hoffentlich auch nicht aus dem Weg. Ihre Angst und Enttäuschung, die sie wütend machen, gilt es auszuhalten. Erst dann können wir der Empörung und Wut Argumente entgegensetzen.

Wir sind es unserem Glauben und unserem Land schuldig.


Ihr Karl-Ernst Wahlmann, Pastor i.R.

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